Marco Reuschel

Schon früh prägte das Theater meinen Blick auf Kultur und Geschichten. Ein erster prägender Besuch war eine Aufführung von Carmen im Stadttheater Bremerhaven, dem Haus, das mich in den folgenden Jahren intensiv begleiten sollte. Oper, Operette und Musical wurden für mich zu selbstverständlichen Bestandteilen des Alltags – zunächst als Zuschauer, bald darauf mit einem festen Abonnement und wachsender Vertrautheit mit allen drei Sparten des Theaters.

Besonders das Musical entwickelte sich früh zu einer Leidenschaft. Produktionen wie My Fair Lady vermittelten mir die unmittelbare Kraft des Live-Theaters und weckten ein dauerhaftes Interesse an Stoffen, Inszenierungen und Künstlerinnen und Künstlern. Parallel dazu entstanden erste eigene Projekte: Während der Schulzeit und später im Studium realisierte ich gemeinsam mit anderen zwei TV-Dokumentationen über das Stadttheater Bremerhaven und dessen Musicalproduktionen Ein Käfig voller Narren und Der kleine Horrorladen. Ergänzt wurde dies durch eine umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Werk von Andrew Lloyd Webber, die in einem Buchprojekt und einem großen multimedialen Vortrag mündete.

Auch praktisch blieb das Musical präsent: Über Chorerfahrung – unter anderem im CVJM-Chor Gosenbach – und Konzertformate vertiefte ich mein Verständnis für Gesang, Ensemblearbeit und Bühnenwirkung. Während meines Medienstudiums verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend ins Digitale. Mit der Plattform MrMusical entstand eine der frühen deutschsprachigen Online-Anlaufstellen für Musicalberichte, Rezensionen und Community-Austausch. Über viele Jahre hinweg verband das Projekt Theaterleidenschaft, journalistische Neugier und neue Medien und machte mich zu einem der frühen multimedial arbeitenden Musicalbeobachter in Deutschland oder wie ich manchmal etwas scherzhaft sage:  "Ich war der erste deutsche Musical-Influencer, noch bevor das Wort erfunden wurde."

Auch nach dem Abschied von MrMusical blieb das Netzwerk, die Erfahrung und die Nähe zur Szene erhalten. Heute verbindet sich meine Musicalbiografie mit Familie, Beruf und aktiver Teilnahme – zuletzt auch wieder ganz unmittelbar auf der Bühne, etwa in Fan- und Einsteigerworkshops. Musical ist für mich kein Abschnitt, sondern ein durchgehender roter Faden meines Lebens.